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Live-Stream vom 10.02.2022:

„Vertraut euren Kids!“ Web-Coaching für Eltern rund um Grenzen & Freiräume

Unser Studiogast: Eva Schröder

Porträtfoto: Eva Schröder.
privat

Eva Schröder ist Bildungswissenschaftlerin (B.A.) und Mediatorin (Master of Mediation). Seit etwa 15 Jahren ist sie in der Eltern- und Erwachsenenbildung tätig. Unter anderem leitete sie Gruppen für Mütter mit ihren Kindern und arbeitete in einem Projekt für Teenie-Mütter.

Derzeit ist Eva Schröder hauptberuflich im Jugendamt in Pfaffenhofen a. d. Ilm beschäftigt. Mehrere Jahre lang war sie dort Regionalbeauftragte für das Projekt ELTERNTALK, gab Kurse für Eltern und hielt Vorträge in Kitas und Schulen; aktuell arbeitet sie in der Trennungs- und Scheidungsberatung. Daneben ist Eva Schröder auch freiberuflich rund ums Thema Familie aktiv. Sie hält Vorträge zu Erziehungsthemen und Pubertät, berät Eltern und bietet Mediation für Familien an. Eva Schröder hat vier Kinder.

 

Unsere Expertinnen im LIVE-CHAT

  • Anne Kettmann, Diplom-Sozialpädagogin, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, kümmert sich vor allem um Fragen rund um Vorschul- und Grundschulkinder. Als Jugendsozialarbeiterin an Schulen ist sie auch fit in Themen, die Jugendliche betreffen.
  • Kerstin Schmied, Systemische Beraterin, ELTERNTALK-Regionalbeauftragte aus Dachau, beantwortet alle Erziehungsfragen rund um Kids bis 14 Jahre.
  • Dr. Martina Stotz, Pädagogin, Schulberaterin und Bloggerin (mein-erziehungsratgeber.de

Best-of-Kurzvideos: 1 Frage, 1 Antwort!

Sie haben nur zweieinhalb Minuten Zeit? Super, das reicht genau für unsere drei Kurzvideos mit je einer Elternfrage und der Antwort mit praktischen Tipps von Familienexpertin Eva Schröder!

Erziehung: Warum sind Grenzen wichtig?

Grenzen geben Orientierung und Sicherheit, erklärt Eva Schröder. Erfahren Sie mehr über Grenzen, Freiräume ... und Hausmauern! Klicken Sie ins Video:

Dieses Video ist untertitelt. Eine Audiodeskription ist dem Video vorangestellt. © fizkes/shutterstock.

Schulweg: Schaffen unsere Kleinen ihn allein?

Ja, findet Familienexpertin Eva Schröder und rät zu einer großen Portion Vertrauen. Schauen Sie rein:

Dieses Video ist untertitelt. Eine Audiodeskription ist dem Video vorangestellt. © Irina Wilhauk/shutterstock.

Rauchen, trinken, Party machen: Wie bringen wir unsere Kinder heil durch die Pubertät?

Indem wir ihnen einen sicheren Hafen bieten, empfiehlt die Familienexpertin. Klicken Sie hier und hören Sie Eva Schröders Tipps im Kurzvideo:

Dieses Video ist untertitelt. Eine Audiodeskription ist dem Video vorangestellt. © oneinchpunch/shutterstock.

Infos: Grenzen setzen & Freiräume eröffnen

Von A wie Anziehen („Selber!!!“) bis Z wie Zubettgehen („Nicht jetzt!!!“): Wer Kinder erzieht, erlebt fast jeden Tag Grenzkonflikte. Manche Eltern haben das Gefühl, Trotzphase und Pubertät gehen nahtlos ineinander über ... Das Gerangel um Grenzen kann nerven. Aber muss es überhaupt sein? Klar, es gibt Grenzen, über die einfach nicht diskutiert werden kann. Im Auto anschallen, Fahrradhelm aufsetzen, keine Steine schlucken oder in die Nase stecken. Aber wie wichtig sind all die anderen, nicht akut lebenswichtigen Grenzen?

Sehr wichtig, unterstreicht die Bildungswissenschaftlerin Eva Schröder. Sie vergleicht Grenzen in der Erziehung mit den Wänden eines Hauses. Sie geben Sicherheit und Orientierung. Sie sind stark und solide, die Kinder können auf sie vertrauen. Im Schutz dieser (Grenz-)Wände können sie sich entfalten. Je älter und erfahrener die Kinder werden, umso weiter können sie sich aus den schützenden Mauern herauswagen und draußen erproben. Zunächst noch begleitet von den Erziehungsverantwortlichen, die bei Bedarf eingreifen und unterstützen können. Und dann immer selbstständiger, bis hin zum Flüggewerden.

Grenzkämpfe vermeiden, zum Beispiel durch Regeln und Rituale

Die gute Nachricht: So mancher Grenzkampf lässt sich vermeiden. Eva Schröder empfiehlt Eltern (ob gemeinsam oder getrennt lebend), sich zusammenzusetzen und zu überlegen: Welche Werte sind uns wichtig? Aus diesen Werten können sie dann gemeinsam alltagstaugliche Regeln („Wenn wir heimkommen, ziehen wir uns die Schuhe aus.“) und auch schöne Rituale („Abendessen, Zähneputzen, vorlesen, kuscheln, Nachtlicht einschalten ... und schlafen.“) entwickeln. Kleinkindern sollte man Regeln nicht erklären, sondern sie ganz selbstverständlich (vor-)leben. Mit dem Heranwachsen des Kindes werden die Grenzregeln immer wieder angepasst; ab dem Schulalter können Eltern und Kinder auch manche Grenzen verhandeln.

Eine Mutter und ihre Tochter putzen gemeinsam ihre Zähne.
visualspace/GettyImages

Rituale helfen, Regeln ganz unbemerkt in den Familienalltag einzubauen. Zum Beispiel: gemeinsam Zähneputzen und dazu das aktuelle Lieblingslied hören.

So viele Grenzen wie nötig – so viel Freiraum wie möglich

Genauso wichtig wie klare Grenzen sind (möglichst viele) Freiräume. Alle Kinder streben nach Autonomie (= Selbstbestimmung). Sie wollen – und müssen – ihre Fähigkeiten erproben können, um zu lernen und sich zu entwickeln. Manchmal gehen dabei Dinge schief. Vielleicht stürzt das Kind beim ersten Versuch alleine Fahrrad zu fahren oder es vergisst das Heft mit den erledigten Hausaufgaben wieder in den Schulranzen zu packen. Das ist nicht schlimm und überhaupt kein Elternversagen, sondern gehört zum Kindsein dazu, versichert Eva Schröder. Eltern sollten an die Fähigkeiten ihrer Kinder glauben, ihnen Vertrauen schenken. Denn (nur) so wächst Selbstvertrauen.

„So viele Grenzen wie nötig – so viel Freiraum wie möglich!“, empfiehlt Eva Schröder. Und weiter: „Leute, vertraut euren Kindern! Setzt Grenzen, gebt Freiräume, schenkt ihnen Herzenswärme. Fühlt euch in eure Kinder ein: Was beschäftigt sie gerade? Wenn etwas vorgefallen ist, hört ihnen zu ... Und wenn ihr unsicher seid: Holt euch Unterstützung. Fragt nach, ob bei der Freundin, dem Nachbarn, in der Kita, der Elterntalk-Runde oder der Erziehungsberatungsstelle!“

Szene zu Hause: Drei Jugendliche sind gemeinsam an ihren Smartphones.
SolStock/GettyImages

Mit zunehmendem Alter wird der Kontakt zu Gleichaltrigen immer wichtiger. Die Jugendlichen lösen sich nach und nach von ihren Eltern; das Behüten wird zum Begleiten.

Das Behüten wird zum Begleiten, die ERziehung wird zur BEziehung

Während das Kind heranwächst, wird das Behüten zum Begleiten, die „Erziehung“ (nach Jesper Juul) zur „Beziehung“. Die „erwachsenenfreie“ Zeit wird immer wichtiger, die Zeit ohne Vorgaben von oben, in der Kinder sich mit Gleichaltrigen treffen oder auch mal allein gepflegte Langeweile genießen können. Wenn in der Pubertät ein Hormoncocktail die Kinderkörper umformt und die Kindergefühle verrätselt, hilft es Eltern, sich ans eigene Jungsein zu erinnern. Doch immer noch müssen sie auch Grenzen ziehen. Ob Alkohol, Ausgehzeit oder Games: Das Jugendschutzgesetz unterstützt Erziehungsberechtigte mit einem klaren Regelwerk.

Und noch ein Tipp von Eva Schröder: „Wenn etwas nicht gut läuft, sollte man die Ursachen ergründen. Die liegen nicht immer im Kind. Seid offen für Selbstreflexion!“

Hier finden Eltern Infos, Tipps & Anlaufstellen

Regalmeter voller Erziehungsratgeber? Nicht nötig. Hier auf BAER.bayern.de finden Familien, Eltern und Erziehende Infos und praktische Tipps zu allen wichtigen Themen. Und wenn Fragen offenbleiben oder mal Probleme auftauchen: Am besten einfach mal bei der Erziehungsberatungsstelle anrufen. Egal, worum es geht, die Familienprofis helfen weiter!

Linktipps zum Thema ...

FAQs: Allgemeines zu Regeln und Grenzen

Es geht mehr um Wertevermittlung als um Regeln. Fragen Sie sich immer, welcher Wert hinter der Regel steht und ob die Regel wirklich wichtig ist oder nur aus Prinzip, weil man das halt so macht. Finden Sie eher wenige Regeln und setzen Sie diese konsequent durch. Mehr zum Thema finden Sie in unserem Beitrag Freiräume und Grenzen“.

Wenn man alle Regeln ständig diskutiert, wird das Zusammenleben sehr schwer. Lassen Sie sich daher ruhig mal überzeugen, aber stellen Sie auch klar, bei welchen Themen es keine Diskussionen gibt. Sie könnten sagen: Das entscheiden wir als deine Eltern (vor allem wenn es um Sicherheit, Gesundheit usw.) geht. Ansonsten ist es gut mit Kindern über Regeln zu sprechen und gemeinsame Vereinbarungen zu finden.

Regeln müssen nicht immer als solche erkennbar sein. Machen Sie Rituale daraus oder versuchen Sie, spielerisch Ideen für die Umsetzung zu entwickeln. Es gibt natürlich Phasen, in denen Eltern mehr "Nein" sagen müssen und Kinder mehr testen und ausprobieren. Als Ausgleich brauchen Sie unbedingt positive gemeinsame Erlebnisse und Zeiten. Und ja; erlauben Sie auch Freiräume und fördern Sie Selbstständigkeit.

Meist bringt Druck machen sehr wenig. Versuchen Sie zunächst mit Verständnis zu reagieren und übernehmen Sie danach die Leitung. Sagen Sie z. B.: "Ich weiß, du magst nicht. Ich komme mit und helfe dir." Machen Sie solche Ansagen nicht von Weitem, sondern gehen Sie auf Augenhöhe und bleiben Sie an Ihrem Kind dran. So weiß es, dass es Sie ernst nehmen kann. Stehen Sie z. B. mit dem Kind auf und gehen los und schauen Sie dann auffordernd und warten kurz geduldig.

Bei wichtigen Dingen ist es wichtig konsequent zu bleiben. Wenn das Kind schon genug Süßes hatte, bleiben Sie konsequent und begleiten Sie den Frust.

Kinder in der Autonomiephase wollen möglichst viel selbst ausprobieren. Versuchen Sie Ihr Kind einzubeziehen: Die Zahnpasta auswählen, beim Essen zubereiten helfen lassen, aus den Klamotten eine Kleiderstraße legen und selbst anziehen lassen. Loben Sie ihr Kind ganz konkret, wenn ihr etwas gelingt. Sagen Sie ihr in ruhigem aber ernstem Ton, dass Sie nicht angebrüllt werden möchten.

FAQs: Permanente Grenzüberschreitung

Weiß Ihr Kind genau, wo Ihre Grenzen liegen? Versuchen Sie Ihre Bedürfnisse klar zu kommunizieren und zu erklären. Also nicht: "Sei jetzt ruhig", sondern "es ist mir zu laut". Konsequenzen im Sinne von Strafen verschlechtern das Verhältnis, besser gemeinsam nach Lösungen suchen und das Kind einbeziehen. Es ist normal, dass Kinder immer wieder Phasen haben, in denen Sie stärker nach Autonomie und Selbstbestimmung streben. Sollte das allerdings ein Dauerzustand werden, scheuen Sie sich nicht davor Rat oder Hilfe von außen zu holen. Sie können sich zum Beispiel an eine Erziehungsberatungsstelle wenden. Solche Angebote gibt es auch online und anonym. Diese stehen Kindern, Jugendlichen und Eltern zur Klärung familienbezogener Probleme zur Verfügung. Hier finden Sie mehr Informationen über die Erziehungsberatungsstellen.

Bleiben Sie klar und deutlich und sagen Sie Ihrem Kind, warum sein Verhalten nicht in Ordnung ist. Ihr Kind ist gerade in einer starken Autonomiephase. Stillen Sie sein Bedürfnis nach Autonomie z. B. durch Mitbestimmung, Verantwortungsübernahme und indem es viel selbst bestimmen darf. Dadurch wird es kooperativer. Unterbinden Sie aber das unerwünschte Verhalten und zeigen Sie dann Verständnis für das Bedürfnis dahinter. Ist Ihr Kind zum Beispiel eifersüchtig und braucht manchmal Zeit alleine nur mit Ihnen oder hat es Stress in der Schule oder der KiTa? Manchmal lässt sich die Situation aber nur sehr schwer alleine lösen. Es gibt viele Unterstützungsangebote für Eltern. Oft hilft ein Blick von außen und Tipps von einer Fachperson, die Sie und Ihr Kind kennenlernen. Auf baer.bayern.de finden Sie eine Übersicht über Anlaufstellen und Adressen.

FAQs: Bis zum Kindergartenalter (0 - 3 Jahre)

Ja, das ist oft sehr herausfordernd. Meist fühlen sich die Kleinen in freier Umgebung unsicher und brauchen Ihre Nähe und die Verbindung zu Ihnen. Versuchen Sie in solchen Situationen viel Halt zu geben und da zu sein und begleiten Sie den Frust. Kinder machen das niemals mit böser Absicht. Vielleicht spüren die Kleinen auch Ihre Angst und Unsicherheit. Versuchen Sie sich klar zu machen, dass Kinder nicht funktionieren und vielen Eltern es genauso geht, wie Ihnen. Und sprechen Sie mit Ihren Kindern wenige, aber sehr klare, Regeln ab, die außerhalb Ihres Zuhauses gelten. Loben Sie Ihre Kinder auch für kleine Erfolge.

Leben Sie es vor, wie schön gemeinsames Essen ist und laden Sie ihn immer wieder dazu ein. So lernt er, dass das wichtig ist. Ansonsten ist es noch etwas früh, dass er lange sitzen bleibt. Überlegen Sie sich ein lustiges Essensritual, damit das Essen auch interessant wird. Vielleicht darf die Puppe gefüttert werden oder das Kuscheltier?

Dann machen Sie es genau richtig. Er möchte dann unbedingt wütend sein und sich von Ihnen abgrenzen. Sie können auch sagen: „Ich hab‘ dich lieb, auch wenn du wütend bist." Lesen Sie auch den Beitrag Trotzalter bzw. Trotzphase.

FAQs: Kindergartenalter (3 - 5 Jahre)

Es ist nicht sinnvoll, Kinder sofort von Gefühlen und Frust abzulenken. Lassen Sie ihn aber nicht allein mit seiner Wut und halten Sie die Wut aus. Helfen Sie ihm, seinen Körper zu kontrollieren und stampfen Sie die Wut z. B. gemeinsam raus. Wenn Ihr Kind alleine sein will: Bleiben Sie vor der Tür oder in der Nähe und sagen Sie z. B.: „Ich bin da, wenn du mich brauchst. Ich warte auf dich.“ Irgendwann, sollte er sich reinsteigern, helfen Sie ihm raus, z. B. durch einen Ortswechsel, Fenster aufmachen und die Wut raus lassen. Oft hilft auch Körperkontakt. Lesen Sie auch den Beitrag Wie verhalte ich mich am besten während eines Trotzanfalls?.

Versuchen Sie, ein Spiel aus dem Aufräumen zu machen und "spielen" Sie gemeinsam. Beziehen Sie Ihre Tochter ein, wenn es um das Ordnungssystem geht, wie sie z. B. ihre Sachen sortieren will. Mehr zum Thema finden Sie in unserem Beitrag „Aufräumen“.

Wettbewerbsdrang gehört zur kindlichen Entwicklung. Sprechen Sie mit ihm darüber, dass auch andere Kinder Freude am Gewinnen haben und fragen Sie ihn, was er denkt, wie das andere Kind sich dann fühlt. Zeigen Sie Verständnis und begleiten Sie die Wut.

Lassen Sie die Kinder ihr Outfit selbst zusammenstellen oder legen Sie eine Anziehstraße aus den einzelnen Kleidungsstücken, spielen Sie einen Song dazu - wer schafft es in der Zeit? Reden Sie mit ihnen darüber, warum Sie sich nicht anziehen wollen. Vielleicht steckt etwas Anderes dahinter, für das Sie gemeinsam andere Lösungen finden können. Zum Beispiel: Genießen Sie noch einmal den kurzen körperlichen Kontakt, bevor es in den Kindergarten geht? Wollen Sie noch etwas Zeit zu Hause verbringen? Bekommen Sie ihre Schuhe wirklich selbst an? Ziehen sich Ihre Kinder nur zu Hause nicht selbst an, oder auch im Kindergarten? Auch über dieses Thema können Sie mit dem Personal im Kindergarten sprechen.

Oft sind Kinder am Abend so erschöpft, weil sie den ganzen Tag "funktionieren" müssen, dass sie einfach keine Lust mehr haben, sich zusammenzureißen. Nicht alles auf einmal anmahnen, sondern erst mal nur z. B. mit Messer und Gabel essen oder sitzen bleiben.

Gewalt ist von außen auch nicht immer sofort als solche zu erkennen. Grundsätzlich ist es gut, wenn Kinder ihre Konflikte alleine lösen. Streit und Auseinandersetzungen zwischen Kindern sind normal und gehören zur Entwicklung dazu. Pauschal kann nicht gesagt werden, ab wann ein Eingreifen nötig ist. Kinder in diesem Alter erkennen oft noch nicht, dass sie die andere Person verletzen – sei es verbal oder körperlich. Sie können immer wieder über die Gefühle der Kinder sprechen. Greifen Sie auf jeden Fall ein, wenn einer deutlich unterlegen ist oder körperliche Gewalt angewendet wird. Auch der Zeitraum spielt dabei eine Rolle. Selbiges gilt, wenn immer wieder dasselbe Kind aus einer Gruppe heraus gehänselt oder ausgegrenzt wird. Ein Kind, das über längere Zeit gehänselt, oder ausgegrenzt wird, braucht auf jeden Fall Hilfe.

Einige Tipps finden Sie auch in unserem Beitrag: Manieren und Umgangsformen

FAQs: Grundschulalter (6 - 9 Jahre)

Vermutlich braucht Ihr Kind noch Nähe vor dem Einschlafen. Fragen Sie Ihr Kind, was es braucht, um alleine zu schlafen und suchen Sie nach Strategien. Manchmal hilft z. B. ein Schutzstein. Finden Sie ruhige Abendrituale und lesen Sie z. B. noch vor und kuscheln. Das lieben Kinder und finden darüber zur Ruhe und bleiben auch liegen mit der Zeit. Oft hilft es, sich am Anfang noch ans Bett zu setzen und zu begleiten, bis das Kind in den Schlaf findet. Das gibt Sicherheit und Vertrauen. Ihr Kind braucht vor allem Ihre innere Ruhe und Vertrauen zum Einschlafen und liegen bleiben. Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag Fragen und Probleme im Grundschulalter.

Sie befindet sich gerade in der sogenannten „Wackelzahnpubertät“. Machen Sie ihr klar, dass mithelfen in Ihrer Familie wichtig ist und geben Sie ihr Möglichkeiten für Mitbestimmung.

Vielleicht hat sie Trennungsangst und braucht Strategien, wie sie es schaffen kann, ihre Angst zu überwinden. Üben Sie das zu Hause im Rollenspiel, wie sie es schaffen kann (z. B. an das Wiedersehen denken, ans Spielen in der Pause denken, ruhig Atmen). Die Freundin kann ihre Hilfe am Anfang sein und auch die Lehrkraft kann hier unterstützen, indem sie sie z. B. abholt. Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag Kindliche Ängste.

Wenn Kinder auf Augenhöhe mitreden wollen, schießen sie oft übers Ziel hinaus. Es kommt auf den Tonfall an - da sind Sie natürlich sein Vorbild. Maßregeln darf er nicht, aber höflich seine Wünsche einbringen, ist okay. Reden Sie mit ihm darüber, wie wichtig das Ausreden lassen und Zuhören ist. Das darf auch gerne geübt werden. Achten Sie darauf, dass in Ihrem Zuhause diese Regeln von allen eingehalten werden. Lesen Sie dazu auch unseren Artikel Manieren und Umgangsformen.

Es ist toll, dass Ihre Tochter selbstständig sein möchte. Sie könnten versuchen, mit ihr den Weg Schritt für Schritt zu üben, z. B. indem Sie ein paar Meter hinter ihr laufen. Und besprechen Sie mit ihr, was man an einer Baustelle beachten muss. Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag Schulweg.

Eltern und Kinder haben oft ein unterschiedliches Ordnungsempfinden. Legen Sie den Fokus erst mal auf das Aufräumen der gemeinsamen Zimmer. Vielleicht hilft ein "Aufräum-Song" oder ein Ritual, z. B. erst das eine wegräumen, bevor das nächste ausgepackt wird. Mehr zum Thema finden Sie in unserem Beitrag Aufräumen.

Viele Kinder empfinden Hausaufgaben als nervig. Gut, dass Ihr Kind sie trotzdem macht. Reflektieren Sie zuerst, ob der Anfangszeitpunkt wirklich geeignet ist. Manche Kinder brauchen z. B. nach der Schule erstmal Erholung und beginnen besser später. In der 4. Klasse werden die Hausaufgaben normalerweise in der Schule kontrolliert, die Lehrer geben Feedback. Machen Sie sich bewusst, dass auch Ihre eigene Einstellung auf Ihr Kind wirkt. Kinder merken meist, wenn Regeln nur aus Prinzip gelten, oft wird es dann noch schwerer diese einzufordern. Mehr Infos zum Thema finden Sie auch im Elternbrief 37 im Artikel Keine Lust zum Lernen?.

Gerne können Sie es erinnern und ihm dabei helfen, daran zu denken. Überlegen Sie gemeinsam, wie Ihr Kind sich besser erinnert, z. B. ein Post-it im Kalender oder den Beutel am Vorabend an die Tür hängen. Lassen Sie es notfalls ruhig mal die Erfahrung machen, dass es ohne die Sachen dasteht. Tatsächlich lernt Ihr Kind am besten dazu, wenn er selbst merkt, wie unangenehm es ohne Turnbeutel oder Büchereibuch ist.

FAQs: Vorpubertät und Pubertät (10 - 18 Jahre)

Sprechen Sie mit ihm auf Augenhöhe darüber, was er sich von der Übernachtung erwartet und wie er sich das Ganze vorstellt. Setzen Sie auf Vertrauen statt auf Verbote - im Zweifelsfall fängt er sonst vermutlich an zu lügen.

Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag über die „Erste Liebe“.

Sprechen Sie mit ihr gerne darüber. Die Frage ist, was Sie genau daran stört. Welchen Wert möchten Sie vermitteln. Wenn Sie das für sich geklärt haben, sprechen Sie liebevoll mit ihr darüber und inspirieren Sie durch neue Ideen. Hier finden Sie weitere Infos zum Taschengeld und Umgang mit Geld.

Das Problem haben sehr viele Kinder. Versuchen Sie es mit einem Kurzzeittimer für die einzelnen Stationen (Frühstück, Anziehen, etc.) Würdigen Sie es, wenn es mal gut geklappt hat!

Manchen Kindern fällt es auf einem großen Pausenhof schwer, friedlich zu spielen. Vielleicht haben einige andere Kinder Lust, Pausenpartner zu sein? Manche Kinder müssen auch erstmal im Klassenzimmer spielen üben, weil die Pause zu groß ist. Sprechen Sie mit den JaS-Fachkräften und/ oder den Lehrkräften. Beziehen Sie Ihr Kind in die Gespräche ein und suchen gemeinsam nach Lösungen. Lesen Sie dazu auch unseren Artikel Gewalt an Schulen.

Tatsächlich wäre es gut ihr zu sagen, dass Sie ihr ab sofort vertrauen möchten, weil Sie glauben, dass sie es allein schafft. Bieten Sie gleichzeitig Ihre Unterstützung an. Vereinbaren Sie einen Zeitpunkt (z. B. zwei Wochen ausprobieren, wie das klappt) und finden Sie dann eine neue Vereinbarung, falls nötig. Sie können sich auch an die Lehrkraft wenden, um Lösungen zu finden, an die man erst gar nicht gedacht hat. Mehr Informationen zum Thema finden Sie in unserem Beitrag „Hausaufgaben“.

Körperhygiene fällt manchen Jugendlichen sehr schwer. Sprechen Sie aber in Ruhe mit ihm und sagen Sie ihm, was Sie sich wünschen. Versuchen Sie zu verstehen, was dahintersteckt.
Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag über Körperhygiene in der Pubertät.

In diesem Alter grenzen sich Jugendliche gern auch mit ihrer Sprache ab. Das ist normal. Sie können Ihrer Tochter aber ruhig sagen, dass Sie sich einen freundlichen Umgang wünschen und diesen auch unbedingt vorleben. Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag Jugendsprache.

In diesem Bereich sind Vereinbarungen und Verhandlungen gut. Wenn das Kind mitbestimmt hat, ist es auch leichter, sich daran zu halten. Beim Medienkonsum hilft es nur, das Gerät irgendwann wegzupacken, da Kinder das noch nicht von selbst können. Bleiben Sie bei wichtigen Themen sehr konsequent und lassen Sie ihn sonst viel mitentscheiden und mitbestimmen. So lernt er, dass Sie nur aus Fürsorgegründen Grenzen zeigen. Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag Regeln und Grenzen.

Sprechen Sie in Ruhe mit ihm darüber, dass Sie sich Sorgen machen und klären Sie ihn über Folgen von Kiffen auf, ohne ihm dabei Vorwürfe zu machen. Sagen Sie z. B.: „Ich will dich nicht bestrafen, weil du das ausprobierst hast, ich möchte mit dir darüber sprechen, was passieren kann.“

Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag: Drogen- und Suchtmittelkonsum von Jugendlichen.

Wenn Ihr Sohn das Gefühl hat, dass Sie ihm hinterherspionieren, wird er erst mal abblocken. Sie können ja mal allgemein über das Thema Rauchen sprechen. Versuchen Sie, im Vertrauen zu bleiben!

Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag Zigaretten Rauchen.

Vielleicht möchte er darüber Ihre Aufmerksamkeit bekommen. Versuchen Sie sich nicht auf diesen Machtkampf einzulassen, zwingen Sie ihn nicht und machen Sie klar, dass Sie sich darüber freuen würden. Besprechen Sie zusammen in der Familie, wer welche Tätigkeiten übernimmt. Besprechen Sie auch mit dem Vater, welches Rollenvorbild er sein kann. Vielleicht kann jemand anderes aus Ihrem Haushalt Tätigkeiten zusammen mit Ihrem Sohn machen, denn gemeinsam macht es oft mehr Spaß.

Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag Rollenverteilung im Familienalltag.

Wenn Sie das auf den Kleidungsstil Ihres Kindes beziehen, würde ich sagen: Jeder hat seinen persönlichen Stil und den sollten Sie als Eltern akzeptieren. Natürlich sollte die Kleidung witterungsgemäß sein. Interessant könnten für Sie auch die Informationen aus unserem Beitrag zum Thema sein: Loslösen von der Familie

FAQs: Mediennutzung

Gerade jüngeren Kindern fällt es oft sehr schwer, die Mediennutzung zu beenden. Bieten Sie ihm die Möglichkeit, selbst die Folge zu starten und zu beenden und besprechen Sie vorab, was nach dem Schauen passiert, z. B. Abendessen. Beenden Sie die Nutzung wie vereinbart und dann gehen Sie direkt zum nächsten Punkt über.

Wenn Medienzeiten als Belohnung oder Bestrafung eingesetzt werden, bekommen die Medien noch mehr Bedeutung. Finden Sie heraus, was hinter den Grenzüberschreitungen liegt. Braucht Ihr Sohn vielleicht mehr Nähe oder müssen Sie die Regeln mal überdenken? Versuchen Sie, gemeinsam mit ihm drüber zu sprechen.

Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag über Grenzüberschreitungen in der Erziehung.

Bleiben Sie bei den strengen Vorgaben. Schauen Sie, dass er danach nochmal etwas Anderes draußen macht, um das Spielen zu verarbeiten. Machen Sie ihm klar, dass Sie sich durch Ihr Verhalten um ihn kümmern. Mehr Infos dazu finden Sie im Medienbrief 4.

Durch solche Gadgets können sich Kinder leicht überwacht fühlen. Das ist nicht gerade förderlich für die Vertrauensbasis. Besser: Klare Absprachen treffen und auf Zuverlässigkeit setzen. Mehr Infos zum Thema geofencing (Überwachung der Kinder über GPS) gibt es in unserem Artikel  „GPS-Trackingsystem für Kinder“.

Sprechen Sie mit Ihrer Tochter, wenn Sie sich Sorgen machen. Fühlt sie sich kontrolliert? Sprechen Sie an, was sie z. B. bei Social Media beachten sollte, ohne sie zu bevormunden. Sie als Eltern haben aber eine Verantwortung für die Mediennutzung. Um dieser nachzukommen, müssen Sie manchmal auch bestimmte Dinge am Handy kontrollieren. Es macht aber einen Unterschied, was und wie Sie kontrollieren. Zum Beispiel, ob Sie private Nachrichten Ihrer Tochter lesen, den Videoverlauf ansehen, oder kontrollieren, ob die von Ihnen eingestellten Sicherheitsvorkehrungen noch aktiv sind. Wenn Sie heimlich an ihr Handy gehen, interpretiert sie das vermutlich als Misstrauen. Sie können stattdessen gemeinsam auf das Handy sehen und sich Dinge von Ihrer Tochter zeigen lassen. Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag Wahrung der Intimsphäre.

FAQs: Unterschiedliche Erziehungsstile und Regeln in einer Familie

Früher gab es ganz andere Erziehungsideale, die an einem Machtgefälle orientiert waren. Sie sind die Mutter, und wenn Sie Ihrer Tochter lieber auf Augenhöhe begegnen, bitten Sie die Oma, sich an Ihre Vorstellungen zu halten.

Wichtig ist, mit den Kindern zu besprechen, welche Dinge in dieser Familie wichtig sind. Das heißt nicht, dass Kinder sich auch immer direkt daran halten. Sie brauchen also viel Geduld und immer wieder Erinnerung an diese Vereinbarungen. Gespräche helfen hier am besten. Lesen Sie dazu auch unseren Artikel zur Patchworkfamilie.

Nein, es ist nicht sinnvoll, unterschiedliche Regeln aufgrund des Geschlechts zu machen. Kinder (egal ob Junge oder Mädchen) brauchen Eltern, die ihre Bedürfnisse erkennen und diese stillen. Eltern geben Grenzen vor, wenn ein Kind über diese Bedürfnisse hinausgeht (z. B. zu viel Medienkonsum reglementieren für Jungen UND Mädchen.) Gleichzeitig ist es aber wichtig, auf die Unterschiede zwischen den Kindern einzugehen – unabhängig vom Geschlecht. Hier spielt z. B. das Alter eine Rolle.

Schon Kinder können verstehen, dass es für unterschiedliche Altersstufen z. B. verschiedene Zu-Bett-Geh-Zeiten oder Medienregeln gibt. Erklären Sie den jüngeren Kindern das und bemühen Sie sich um eine klare Grenzsetzung. Es ist normal, dass jüngere Kinder dasselbe möchten.

Kinder können gut unterscheiden, wenn andere Bezugspersonen andere Grenzen haben. Wenn es um die Gesundheit (z. B. Süßes) und Sicherheit von Kindern geht, also um die Fürsorge ist es wichtig, sich an die Regeln der Eltern zu halten. Ansonsten kannst du auch mal lockerer sein, sofern das für die Eltern auch in Ordnung ist. Sprechen Sie sich hier gerne ab mit den Eltern und finden Sie einen Kompromiss.

FAQs: Geschwister – Konflikte und unterschiedliche Charaktere

Wenn Sie bisher nur ein Kind hatten, ist für dieses die "Entthronung" oft schwierig. Versuchen Sie, der Älteren auch "Alleinzeit" einzuräumen und geben Sie ihr Aufgaben und Privilegien, die sie als große Schwester machen darf, das Baby aber noch nicht. Mehr zum Thema finden Sie im Beitrag „Geschwisterkinder“.

Unbedingt, dadurch steigern sie ihre Kompetenz, mit Konflikten umzugehen. Einschreiten sollten Sie nur, wenn einer deutlich unterlegen ist oder es zu Gewalt kommt! Mehr zum Thema finden Sie in unserem Beitrag „Streiten will gelernt sein“.

Vielleicht ist das Temperament Ihrer Kinder unterschiedlich. Meistens fangen Kinder spätestens in der Jugend an, Grenzen zu testen. Mehr zum Thema finden Sie in unserem Beitrag „Regeln und Grenzen“.